Biologie:

Der Blutegel (Hirudo medicinalis) gehört zu den Ringelwürmern und ist eng verwandt mit den Regenwürmern.


Geschichtliches:

Die Blutegeltherapie ist eine der ältesten Heilmethoden. Sie war bereits vor etwa 3000 Jahren im antiken Ägypten und Griechenland bekannt. Ab Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. breitete sich die Blutegeltherapie in Rom in der gesamten Bevölkerung aus. In Deutschland hielt die Blutegeltherapie erst im 17. Jahrhundert Einzug, war sie doch vorher völlig unbekannt. Im 19. Jahrhundert nahm die Blutegeltherapie so gewaltige Ausmasse an, dass die Blutegel in Mitteleuropa gänzlich ausgerottet wurden. So stammen die Blutegel, die zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden, entweder aus einer der wenigen Blutegelzuchten oder aus Naturschutzgebieten in der Türkei oder in Kroatien. Bestellen kann man sie über die Apotheke.


Behandlung:

Ca. 2 - 10 Blutegel werden bei einer Behandlung auf gut durchblutete Hautareale in der Nähe des erkrankten Organs aufgesetzt. Nach einem kleinen Biss, der häufig wie ein leichter Stich beschrieben wird, beginnt der Blutegel mit dem Saugvorgang. Dieser dauert meistens zwischen 20 und 40 Minuten, selten etwas länger. Der Blutegel entzieht dabei nicht nur Blut (ca. 10 ml), sondern sondert auch eine Vielzahl von Wirkstoffen ab. Diese Wirkstoffe besitzen gerinnungshemmende (= Auflösung von Blutgerinnseln), entzündungshemmende, immunisierende sowie schmerzstillende Eigenschaften.


Anwendungsmöglichkeiten (hier seien nur einige Beispiele genannt):

- Verschleiss der Gelenke (Arthrose)
- Krampfadern
- Hämorrhoiden
- schmerzhafte Monatsblutungen
- Entzündungen
- Ohrgeräusche
- Muskel- und Nervenschmerzen
- Bandscheibenvorfälle


Gegenanzeigen:

- Blutgerinnungsstörungen (angeboren oder durch Einnahme von Medikamenten, z.B. Marcumar)
- ausgeprägte Blutarmut
- Abwehrschwäche
- Schwangerschaft und Stillzeit

(Autorin: Elke Kubzdela)